Lehrveranstaltungen der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte
Sommersemester 2015


Die Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert

Studiengruppe Historische Epistemologie

Ausgewählte Werke der mittelägyptischen Literatur

Das Astrolabium als Quelle für die vormoderne Astronomie und Astrologie

Einführung in das Studium der Wissenschaftsgeschichte: Karl Marx – wissenschaftshistorisch

Alexander von Humboldts „Kosmos“: Text und Kontext

Medizinische Texte aus Mesopotamien

Wissenschaftshistorisches Kolloquium


Die Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert

Prof. Dr. Moritz Epple

Vorlesung

Di 14:00-16:00, Cas. 1.811, ab 21.4.2015

Inhalt: Mit der Wende zum 19. Jahrhundert, der Ausbildung der Nationalstaaten und dem allmählichen Anbruch des Industriezeitalters dehnte sich der Bereich und die soziale wie kulturelle Bedeutung naturwissenschaftlicher Forschung in Europa deutlich aus. Zum Teil in Reaktion hierauf begannen auch neue Vorstellungen die Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts zu dominieren: die Idee der "Einheit der Natur" und universelle Konzepte wie das der Energie, der Entwicklungsgedanke in Geologie und Biologie, die Suche nach einem Verständnis kleinster Strukturen (Atome, Moleküle, Zellen) usw. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zeichneten sich in vielen klassischen Zweigen der Naturwissenschaften tiefgreifende konzeptuelle Umbrüche ab, die nicht nur zu neuen Wissensgebieten führten, sondern die auch die Gegenstände und Perspektiven der Forschung, ja das Wissenschaftsverständnis insgesamt erneut veränderten. Gleichzeitig wuchs die technologische und politische Bedeutung der Naturwissenschaften bis an die Schwelle zum 20. Jahrhundert immer weiter an.
Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick über einige der zentralen naturwissenschaftlichen Entwicklungen dieses Zeitraums und diskutiert dabei auch die Rolle der Wissenschaftsentwicklung in Staatenbildung und Industrialisierung.

Literatur:
* Michel Serres (Hg.), Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1994
* Hans Wussing (Hg.), Geschichte der Naturwissenschaften, Leipzig 1983
* Mary Jo Nye (Hg.), The Modern Physical and Mathematical Sciences, Cambridge 2003 (= The Cambridge History of Science, Bd. 5)


Studiengruppe Historische Epistemologie: Das Handeln der Wissenschaftler - Zur historischen Praxeologie der Wissenschaften

Prof. Dr. Moritz Epple, Dr. Falk Müller, Dr. des Fabian Link, Dr. Dagmar Comtesse

Blockseminar in Riezlern im Kleinwalsertal

Anreise: 5.7.2015, Abreise: 10.7.2014
Obligatorische Vorbesprechung am Dienstag, 14.4.2015 um 14:00, IG 4.401

Voraussetzungen: Persönliche Anmeldung bei den Dozenten. Vorausgesetzt für die Teilnahme am Kompaktseminar wird die Bereitschaft zum selbständigen Erarbeiten eines Referatthemas sowie die Lektüre des gemeinsam mit den Teilnehmenden zusammengestellten Seminarreaders im Vorfeld der Blockveranstaltung.
Reise- und Aufenthaltskosten werden vom Historischen Seminar bezuschusst.

Inhalt: Wissenschaftler sind nicht nur passive Denker, sie handeln auch. Sie grübeln an Schreibtischen und gehen in Bibliotheken, sie stehen an Labortischen und schneiden Tiere auf, sie verbringen Nächte in astronomischen Observatorien und Tage „im Feld“, sie verbrauchen Material und entwickeln Produkte, sie reisen und korrespondieren, sie „vernetzen“ und streiten sich, sie beraten Politiker und machen Geschäfte, sie spionieren und entwerfen neue Waffen, und manchmal gehen sie auf die Straße und organisieren Proteste.
Das Seminar gilt der historischen Analyse der Praxisformen von Wissenschaftlern in der Neuzeit. Dabei sollen die verschiedenen Dimensionen des Handelns von Wissenschaftlern mit seinen jeweiligen Normen und Interessen im Vordergrund stehen. Das Forschungshandeln wird ebenso zu diskutieren sein wie die gesellschaftliche Praxis von Wissenschaftlern. Leitfrage soll dabei sein, wie die Praxisformen von Wissenschaftlern mit ihren Denkformen und Erkenntnisinteressen interagieren. Das Seminar will so auch einen Beitrag zu einer aktualisierten historisch-materialistischen Perspektive auf die modernen Wissenschaften leisten.
In einer ersten Seminarphase wird zunächst die historische Erschließung wissenschaftlicher Praxis theoretisch, historiographiegeschichtlich und quellentechnisch problematisiert. In einer zweiten Phase werden historische Fallstudien diskutiert, die nach Interessen der Teilnehmenden ausgewählt werden können. In einer dritten Phase sollen – auch über entsprechende Seminarformen – die Möglichkeiten der historiographischen Darstellung wissenschaftlicher Praxis diskutiert werden, einschließlich alternativer, nicht nur textbasierter Formen der Bearbeitung und Präsentation (z.B. performative Praktiken, Ausstellungen, ...).

Literatur: (weitere Literaturvorschläge folgen in der Vorbesprechung)
* Bruno Latour, Science in Action: How to Follow Scientists and Engineers through Society, Cambridge Mass. 1987
* Michael Lynch, Scientific Practice and Ordinary Action: Ethnomethodology and Social Studies of Science, Cambridge 1993
* Andrew Pickering, The Mangle of Practice: Time, Agency, and Science, Chicago 1995


Ausgewählte Werke der mittelägyptischen Literatur

Prof. Dr. Annette Warner

Seminar

Do 16:00-18:00, IG 4.401, ab 16.4.2015

Inhalt: Im Seminar wird eine Auswahl aus mittelägyptischen Texten (ggf. in hieroglyphischer Umschrift) gelesen, die einen Einblick in die Arten und Charakteristika verschiedener Textsorten (Erzählungen, Briefe, wissenschaftliche Texte) im pharaonischen Ägypten geben. Zusätzlich zur Lektüre der Quellen wird dabei jeweils auch der kulturelle Kontext, dem die Texte entstammen, beleuchtet.

Vorraussetzungen: Erfolgreiche Teilnahme an den Übungen zur Einführung in die mittelägyptische Sprache und Schrift (Hieroglyphen) oder äquivalente Vorkenntnisse.

Literatur:
* Parkinson, Richard B.: Reading Ancient Egyptian Poetry. Among Other Histories. Oxford: Blackwell 2009
* Parkinson, Richard B.: Poetry and Culture in Middle Kingdom Egypt. A Dark Side to Perfection. London: Equinox 2010
* Quirke, Stephen: Egyptian Literature 1800 BC. Questions and Readings. London: Golden House Publications 2004


Das Astrolabium als Quelle für die vormoderne Astronomie und Astrologie

Prof. Dr. Annette Warner, Dr. Petra Schmidl

Seminar

Do 10:00-12:00, IG 3.501, ab 16.4.2015

Inhalt: Astrolabien schmücken Bücher zur Wissenschaftsgeschichte und symbolisieren in Ausstellungen die vormodernen Wissenschaften insbesondere in den islamisch geprägten Gesellschaften. Sie sind astronomische Lehr-, Mess- und Rechengeräte. In ihrer Komplexität stoßen sie oft auf Unverständnis, faszinieren aber immer wieder durch ihre Vielfalt und Schönheit (cf. North: 106).
In diesem Seminar werden nach einer ersten technischen und historischen Einführung, ausgewählte Beispiele besprochen. Anhand dieser Astrolabien werden verschiedene Aspekte der vormodernen Astronomie und Astrologie im Orient und im Okzident näher beleuchtet, und dabei insbesondere auf zeitliche und räumliche Besonderheiten eingegangen.

Literatur:
* Cleempoel, Koenraad van (ed.): Astrolabes at Greenwich: A Catalogue of the Astrolabes in the National Maritime Museum. Oxford, Greenwich 2006
* North, John D.: „The Astrolabe“. Scientific American 230:1 (1974): 96-106. Nachgedruckt in: id.: Stars, Minds, and Fate. Essays in Ancient and Medieval Cosmology. London 1989, S. 211-220
* Stautz, Burkhard: Die Astrolabiensammlungen des Deutschen Museums und des Bayrischen Nationalmuseums. München 1999


Einführung in das Studium der Wissenschaftsgeschichte: Karl Marx – wissenschaftshistorisch

Dr. phil. Fabian Link

Proseminar

DO 14:00-17:00, Neue Mensa NM118, ab 23.4.2015

Inhalt: Wer die Welt, in der wir leben, verstehen möchte, der kommt an Karl Marx nicht vorbei – heute weniger denn je. Die Wirtschaftskrise, das in Deutschland immer weiter fortschreitende Auseinandergehen der Lohneinkommen, die ungleichen Verhältnisse zwischen der sogenannten Ersten, Zweiten, Dritten und mittlerweile auch Vierten Welt, aber auch die Neujustierung der Machtverhältnisse infolge der Globalisierung sind Phänomene, welche die Aktualität der ökonomischen, politischen und sozialphilosophischen Schriften von Karl Marx darlegen. Dies ist keine neue Erkenntnis. Bisher ist Marx allerdings zu wenig aus seiner eigenen Zeit heraus verstanden worden, was eine eingehende Analyse seines Werks erschwert. Stattdessen gilt „Marx“ als Symbol für bestimmte, feststehende gesellschaftstheoretische Grundannahmen. Diese Sichtweise will das Proseminar zur Einführung in die Wissenschaftsgeschichte brechen und Karl Marx aus wissenschaftshistorischer Perspektive angehen. Hierfür werden biographische, praxeologische und intellektuellenhistorische Methoden angewendet. Im Proseminar werden vor allem Marx´ Originalschriften bearbeitet, bei einzelnen Themen wird auf Sekundärliteratur zurückgegriffen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Fortführung und Weiterentwicklung der marxistischen Theorie, so z.B. durch die „Frankfurter Schule“.
Ziel des Proseminars ist die Vermittlung von Herangehensweisen auf methodischer und theoretischer Ebene an wissenschaftshistorische Fragestellungen und die inhaltliche Einführung in die Geschichte der marxistischen Theorie. Erwartet werden regelmäßige Teilnahme, aktive mündliche Beteiligung, die Bereitschaft zum Erstellen von Referaten und kleineren Hausarbeiten sowie einer größeren Hausarbeit am Ende des Semesters.

Empfohlene Literatur:
* Berger, Michael (Hg.), absolute Karl Marx. Freiburg 2005
* Bude, Heinz/Damitz, Ralf M./Koch, André (Hg.): Marx. Ein toter Hund? Gesellschaftstheorie reloaded. Hamburg 2010
* Sieferle, Rolf Peter: Karl Marx zur Einführung. Hamburg 2007


Alexander von Humboldts „Kosmos“: Text und Kontext

Prof. Dr. Moritz Epple

Übung

Do 10:00 - 12:00, IG 4.401, ab 23.4.2015

Inhalt:In der Übung werden Auszüge aus Alexander von Humboldt’s Werk Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung (Stuttgart 1845-1862) gemeinsam gelesen und diskutiert. Zum einen wird es darum gehen, den besonderen Charakter des Humboldtschen Verständnisses von Naturwissenschaft herauszuarbeiten, das ästhetische Elemente ebenso einschloss wie ein Programm global organisierter Wissenschaft. Zum anderen soll seine Vorstellung von einer Weltgeschichte des menschlichen Wissens vom Kosmos diskutiert werden, die mit einem spezifischen Bild vom Fortschritt der menschlichen Zivilisation verknüpft war. Die kritische Auseinandersetzung mit dem – vielschichtig aufgebauten – Primärtext wird ergänzt durch eine Besprechung ausgewählter Sekundärliteratur, die ein Licht auf die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexte wirft, in welchen das Humboldtsche Wissenschaftsprogramm stand.

Empfohlene Literatur:
* Alexander von Humboldt, Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, 5 Bände, Stuttgart 1845-1862. Digitalisat auf: http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/humboldt_kosmos01_1845
* Susan Faye Cannon, Science in Culture: The Early Victorian Period, New York 1978
* Michael Dettelbach „Humboldtian Science“, in: N. Jardine, J. Secord, E. C. Spary (Hg.), Cultures of Natural History, Cambridge 1996, S. 287-304
* Lorraine Daston, „The Humboldtian Gaze“, in: M. Epple / C. Zittel (Hg.), Science as Cultural Practice, Vol. I, Berlin 2010, S. 45-60


Medizinische Texte aus Mesopotamien

Dr. Daliah Bawanypeck

Übung

Di 16:00 - 18:00, IG 3.401, ab 14.4.2015

Inhalt: Medizinische Keilschrifttexte aus Mesopotamien sind über einen Zeitraum von etwa 2500 Jahren überliefert und umfassen ein weites inhaltliches Spektrum, das neben prognostisch-diagnostischen (z.B. Diagnosehandbüchern) und therapeutischen Texten (z.B. Rezepturen) auch Beschwörungen umfasst. Medizinische Bezüge sind darüberhinaus in Rechtstexten, Briefen und literarischen Texten anzutreffen.
Ziel der Übung ist es anhand der unterschiedlichen Textgenres einen Einblick in die mesopotamischen Vorstellungen von Krankheit und die heilkundlichen Konzepte ihrer Experten zu gewinnen.

Voraussetzungen:
NB 1: Zwischenprüfung. – Obligatorisch für den Besuch der Veranstaltung ist eine vorherige Anmeldung. Die Anmeldeliste liegt vom 7.-10.04.2015 jeweils 10.00-12.00 Uhr in Raum 4.517 (4. OG, Q5) aus.
NB 2: Dabei müssen Lehramtsstudierende der modularisierten Studienordnungen bei der Anmeldung das bestandene Proseminar der Alten Geschichte und das Latinum nachweisen, alle Magister- und Bachelorstudierenden müssen ihren Notenspiegel (go.uni-frankfurt.de) als Nachweis ihrer Zugangsberechtigung vorlegen.
NB 3: Die in der alten Studienordnung von vor 2005/06 zu belegende und mit einer Klausur zu bestehende Übung muss eine altsprachliche Quellenübung sein. Die hier angebotene Übung kann zum Erlangen eines solchen Leistungsnachweises nicht belegt werden.


Wissenschaftshistorisches Kolloquium

Prof. Dr. Moritz Epple, Prof. Dr. Annette Warner

Kolloquium

Di 18:00 - 20:00, IG 1.414 oder IG 4.401, ab 29.4.2014

Inhalt: Fortgeschrittene Studierende und Doktoranden aller Fächer. Es werden zum einen laufende Examens- und Doktorarbeiten vorgestellt, zum anderen neuere wissenschaftshistorische Publikationen gemeinsam diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch aus angrenzenden Gebieten) sind nach Rücksprache mit den Veranstaltern herzlich willkommen. Zu Vortragsveranstaltungen mit auswärtigen Gästen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. < Wissenschaftshistorische Vorkenntnisse und persönliche Anmeldung sind erforderlich.br>

Programm


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zuletzt geändert am 26.3.2015, jd