Lehrveranstaltungen der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte
Sommersemester 2017


Wissenschaft in der Epoche der Aufklärung: die Naturwissenschaften im 17. und 18. Jahrhundert (Vorlesung)

Studiengruppe Historische Epistemologie: Zur historischen Epistemologie der Zeit (Blockseminar)

Wissenschaft und Aufklärung: Das Beispiel Jean d'Alembert im Kontext (Seminar)

Einführung in das Studium der Wissenschaftsgeschichte:Grundpositionen der Wissenschaftsgeschichte (Proseminar)

Die Pluralität der Welten: Kosmologische Texte des 17. und 18. Jahrhunderts (Übung)

Texte aus Uruk - Einblicke in dreitausend Jahre keilschriftliche Gelehrsamkeit (Übung)

Wissenschaftshistorisches Kolloquium


Wissenschaft in der Epoche der Aufklärung: die Naturwissenschaften im 17. und 18. Jahrhundert

Prof. Dr. Moritz Epple

Vorlesung

Di 14:00-16:00, Cas. 1.811, ab 25.4.2017

Inhalt: Nachdem im Europa des 17. Jahrhunderts eine stürmische Entwicklung einer „neuen Wissenschaft” einsetzte, die nicht nur den Wandel von einem geozentrischen zu einem heliozentrischen Welbild brachte, sondern alle Felder des Wissens von der Natur und vom Menschen erfasste, führte diese Entwicklung im 18. Jahrhundert zu einer breiten Blüte der Naturwissenschaften in der Kultur der Aufklärungszeit. Dabei konkurrierten in vielfältiger Weise mathematisch-mechanistische Erklärungen der Welt mit einer eher beschreibenden Naturgeschichte. Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick über einige der zentralen Entwicklungen dieses Zeitraums. Im Zentrum stehen die Innovationen des 17. Jahrhunderts, die u.a. im Werk Isaac Newtons kulminierten, und die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der Wissenschaftsentwicklung für die europäische Aufklärung.

Literatur:
* Peter Dear: Revolutionizing the Sciences: European Knowledge and Its Ambitions, 1500-1700, Princeton 2001
* Thomas L. Hankins: Science and the Enlightenment, Cambridge 1995
* Lorraine Daston und Katherine Park (Hg.): Early Modern Science, Cambridge 2006 (= The Cambridge History of Science, Bd. 3)
* Roy Porter (Hg.): Eighteenth Century Science”, Cambridge 2003 (The Cambridge History of Science, Bd. 4)
* Michel Serres (Hg.): Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1994
* Hans Wussing (Hg.): Geschichte der Naturwissenschaften, Leipzig 1983


Studiengruppe Historische Epistemologie: Zur historischen Epistemologie der Zeit

Prof. Dr. Moritz Epple, Dr. phil Fabian Link, Dr. Falk Müller

Blockseminar in Riezlern im Kleinwalsertal

Anreise: 11.7.2017, Abreise: 17.7.2017

Obligatorische Vorbesprechung: Donnerstag 20. April 2017, um 16:30 in IG 3.501

Voraussetzungen: Wir bitten um persönliche Anmeldung bei den Dozenten. Voraussetzung für die Teilnahme am Kompaktseminar ist die Bereitschaft zum selbständigen Erarbeiten eines Referatsthemas sowie die Lektüre des gemeinsam mit den Teilnehmenden zusammengestellten Seminarreaders im Vorfeld der Blockveranstaltung. 
Reise- und Aufenthaltskosten werden vom Historischen Seminar bezuschusst.

Inhalt: Das Seminar behandelt gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewählte Themen aus dem weiten Feld einer Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Zeit. In epochenübergreifender Perspektive sollen zum einen Praktiken und Wissenstechniken der Zeitbestimmung von der Kalenderrechnung über die Verbreitung der mechanischen Uhr bis zur modernen Präzisionsmessung, ebenso wie Kulturtechniken der Zeit, z.B. in Musik oder Prognostik diskutiert werden. Zum zweiten wird es um Zeitkonzepte und darauf bezügliche Kontroversen in den Wissenschaften gehen, etwa in Naturgeschichte und Biologie, Geologie, Physik, Ökonomie und Sozialwissenschaften. Schließlich soll es drittens um die Möglichkeiten und Problematik von historiographischen Modellierungen von Zeit und Zeitverläufen in der allgemeinen Geschichte und der Wissen(schaft)sgeschichte gehen.

Literatur: die Literaturvorschläge folgen in der Vorbesprechung.


Wissenschaft und Aufklärung: Das Beispiel Jean d'Alembert im Kontext

Prof. Dr. Moritz Epple

Seminar

Do 14:00-16:00, IG 4.401, ab 20.4.2017

Inhalt:Das Seminar geht der Rolle der Wissenschaften für die europäische Aufklärung am Beispiel eines bedeutenden mathematischen Wissenschaftlers und Enzyklopädisten nach. Jean D’Alembert trug nicht nur zu verschiedenen Gebieten mathematischen Wissens von der Mechanik bis zur Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Impfung bei, sondern er wurde als Mitherausgeber der großen französischen Enzyklopädie, als Übersetzer und als Essayist auch ein wichtiger homme de lettres. Ausgehend von seiner philosophischen Hauptschrift Essai sur les élemens de philosophie (= Versuch über die Elemente der Philosophie), die ein Panorama aller menschlichen Wissensgebiete von den Naturwissenschaften bis zur Moral skizziert, und einigen wichtigen Essays werden wir den wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Kontexten nachgehen, in denen D’Alemberts engagierte Schriftstellerei stand. Neben Fragen der Nützlichkeit und allgemeinen Zugänglichkeit des Wissens standen für ihn dabei auch Fragen der politischen und ökonomischen Gleichheit der Menschen im Zentrum.

Literatur:
Wir werden dem Seminar eine von einer Arbeitsgruppe in Frankfurt erarbeitete neue deutsche Übersetzung des Versuchs über die Elemente der Philosophie zugrundelegen. Andere Schriften des Autors können ggf. (im französischen Original) Grundlage für einzelne Referate werden. Weitere Literatur wird in der ersten Sitzung genannt. Zur ersten Orientierung kann dienen:
* Jean D’Alembert, Einleitung zur Enzyklopädie (1751), hg von Günther Mensching, Philosophische Bibliothek 473, Hamburg: Meiner, 1997


Einführung in das Studium der Wissenschaftsgeschichte: Grundpositionen der Wissenschaftsgeschichte

Dr. phil. Fabian Link

Proseminar

Do 14:00-17:00, SH 1.105, ab 27.4.2017

Inhalt: Das Proseminar zur Einführung in die Wissenschaftsgeschichte behandelt die wichtigsten aktuellen theoretischen und methodischen Ansätze in der Wissenschaftsgeschichte. Den Studierenden soll ein Überblick über Grundpositionen und historiografische Perspektiven, die für die zeitgenössische Wissenschaftsgeschichte ausschlaggebend sind, vermittelt werden. Das Proseminar hat das Anliegen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das grundlegende methodische und theoretische Rüstzeug an die Hand zu geben, um wissenschaftshistorische Primärquellen nach den unterschiedlichen Methoden und Ansätzen anzugehen und deren Inhalte, Subtexte sowie die sozialen, politischen, ökonomischen, medialen Kontexte, in denen die jeweiligen Primärquellen zu verorten sind, zu rekonstruieren. Die Studierenden verpflichten sich, die für die Sitzungen vorgesehenen Texte im Selbststudium zu lesen und sich an den Sitzungen mündlich zu beteiligen, ein Referat über einen der wichtigsten Akteure in der Wissenschaftsgeschichte und über dessen Haupttheoreme und Methoden zu halten sowie während des Semester einen biografischen Abriss samt Bibliografie einer behandelten Wissenschaftshistorikerin oder eines Wissenschaftshistorikers von 10.000 Zeichen zu erstellen. Zusätzlich werden die Studierenden in der vorlesungsfreien Zeit eine Hausarbeit schreiben (18.000 Zeichen), in der die in den Sitzungen diskutierten theoretischen und methodischen Ansätze für die Bearbeitung einer oder mehrerer wissenschaftshistorischer Primärquellen angewandt werden sollen.

Empfohlene Literatur:
* Biagioli, Mario (Hrsg.): The Science Studies Reader. New York/London 1999
* Hagner, Michael: Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt am Main 2001
* Kragh, Helge: An Introduction to the Historiography of Science. Cambridge 1989
* Serres, Michel (Hrsg.): Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. Frankfurt am Main 1994 [1989]


Die Pluralität der Welten: Kosmologische Texte des 17. und 18. Jahrhunderts

Prof. Dr. Moritz Epple

Übung

Do 10:00 - 12:00, IG 4.401, ab 20.4.2017

Inhalt:Die vielbeschworene "kopernikanische Wende", in deren Verlauf das neuzeitliche kosmologische Weltbild entstand, involvierte wesentlich mehr als einen Wandel in der Beschreibung der Planetenbewegungen vom "geozentrischen" zum "heliozentrischen" System. In der Übung werden gemeinsam Auszüge aus Texten gelesen, die unter verschiedenen Vorzeichen eine Neubeschreibung des Kosmos anstrebten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Motiv einer Vielzahl von bewohnten Welten in einem unendlichen Kosmos, das die menschliche Sonderstellung im Kosmos relativierte einem breiteren Publikum nahegebracht werden sollte. An diesen Texten lässt sich auch der höchst fragile und dynamische Status der neuen Kosmologie zwischen philosophischer und theologischer Spekulation, literarischer Fiktion und empirischer Naturwissenschaft mit Händen greifen.

Empfohlene Literatur:
* John Wilkins, The discovery of a world in the moone, London 1638 (digitalisiert auf www.gutenberg.org). * Bernard le Bovier de Fontenelle, Entretiens sur la pluralité des mondes, Paris 1686 (digitalisiert auf fr.wikisource.org, deutsch: Dialogen über die Mehrheit der Welten, mit Anmerkungen und Kupfertafeln von Johann Elert Bode, Berlin 1780, Neudruck Weinheim 1983)
* Christiaan Huygens, The celestial worlds discover'd: or, conjectures concerning the inhabitants, plants and productions of the worlds in the planets, London 1698, Neudruck London 1968 (digitalisiert auf www.phys.uu.nl/~huygens/cosmotheorosen.htm, lat. Original: Cosmotheoros, Den Haag 1698)
* William Derham, Astro-Theology: or a Demonstration of the Being and Attributes of God, From a Survey of the Heavens. London: W. Innys 1715
* Thomas Wright of Durham, An Original Theory or New Hypothesis of the Universe, London 1750
* Voltaire, Micromegas, Paris 1752
* Immanuel Kant, Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels, Königsberg und Leipzig 1755
* Paolo Rossi, Die Geburt der modernen Wissenschaft in Europa, München 1997
* Steven J. Dick, Plurality of Worlds: The Origins of the Extraterrestrial Life Debate from Democritus to Kant, Cambridge 1982


Texte aus Uruk - Einblicke in dreitausend Jahre keilschriftliche Gelehrsamkeit

Dr. Daliah Bawanypeck

Übung

Di 16:00-18:00, SH 1.102, ab 25.4.2017

Inhalt: Die südmesopotamische Stadt Uruk entwickelte sich bereits gegen Ende des 4. Jt. zu einer Großstadt in der wichtige kulturelle Errungenschaften anzutreffen waren, zu deren bedeutendsten die Erfindung der (Keil)Schrift gehört. Als Stadt des legendären Königs Gilgamesch, dessen Taten durch das Gilgamesch-Epos - einer der ältesten schriftlichen Dichtungen - überliefert sind, repräsentiert Uruk die städtische Zivilisation Sumers. Die Ausstrahlung Uruks auf den altorientalischen Raum zeigt sich auch darin, dass die Stadt über ihre Blütezeit als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum hinaus bis in die Seleukidenzeit ein kulturelles und religiöses Zentrum von überregionaler Bedeutung blieb.
Ziel der Übung ist es anhand keilschriftlicher Quellentexte (die in deutscher oder englischer Übersetzung gelesen werden) einen Einblick in die Bedeutung der Stadt als Zentrum von Wissen und Gelehrsamkeit zu geben. Zu Beginn der Übung wird die Betrachtung der Voraussetzungen der Keilschrifterfindung und ihrer Entwicklung im Mittelpunkt stehen.

Literatur:
* Nicola Crüsemann et al. (Hrsg.) Uruk: 5000 Jahre Megacity (Katalog)
* Petersberg: Michael Imhof Verlag (BZG, Q6, 7. OG, R. 7.621, Signatur Kat Uruk 24 OM Berl)


Wissenschaftshistorisches Kolloquium

Prof. Dr. Annette Warner, Prof. Dr. Moritz Epple

Kolloquium

Di 18:00 - 20:00, IG 1.414 oder IG 4.401, ab 25.4.2017

Inhalt: Fortgeschrittene Studierende und Doktoranden aller Fächer. Es werden zum einen laufende Examens- und Doktorarbeiten vorgestellt, zum anderen neuere wissenschaftshistorische Publikationen gemeinsam diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch aus angrenzenden Gebieten) sind nach Rücksprache mit den Veranstaltern herzlich willkommen. Zu Vortragsveranstaltungen mit auswärtigen Gästen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Wissenschaftshistorische Vorkenntnisse und persönliche Anmeldung sind erforderlich.

Programm



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zuletzt geändert am 9.5.2017, jd