Die Naturwissenschaften im
19. Jahrhundert (Vorlesung)
Einführung in der
Historische Epistemologie (Seminar)
Enlightenment Contested:
Jonathan Israels Thesen zur Genese der Moderne (Seminar)
Ein Schriftsteller der
Aufklärung zwischen Wissenschaft, Literatur, Philosophie und
Politik: Jean d'Alembert's "Mélanges
de
littérature, d'histoire, et de philosophie" (Übung)
Mittelägyptische
Lektüre
(Übung)
Wissenschaftshistorisches
Kolloquium
Prof. Dr. Moritz Epple
Vorlesung
Di 14:00-16:00, Cas. 1.811, ab 26.10.2010
Inhalt:Mit
der Wende zum 19. Jahrhundert, der Ausbildung der Nationalstaaten und
dem allmählichen Anbruch des Industriezeitalters dehnte sich
der Bereich und die soziale wie kulturelle Bedeutung
naturwissenschaftlicher Forschung in Europa deutlich aus. Zum Teil in
Reaktion hierauf begannen auch neue Vorstellungen die Naturwissenschaft
des 19. Jahrhunderts zu dominieren: die Idee der "Einheit der Natur"
und universelle Konzepte wie das der Energie, der Entwicklungsgedanke
in Geologie und Biologie, die Suche nach einem Verständnis
kleinster Strukturen (Atome, Moleküle, Zellen) usw. Ab der
Mitte des 19. Jahrhunderts zeichneten sich in vielen klassischen
Zweigen der Naturwissenschaften tiefgreifende konzeptuelle
Umbrüche ab, die nicht nur zu neuen Wissensgebieten
führten, sondern die auch die Gegenstände und
Perspektiven der Forschung, ja das Wissenschaftsverständnis
insgesamt erneut veränderten. Gleichzeitig wuchs die
technologische und politische Bedeutung der Naturwissenschaften bis an
die Schwelle zum 20. Jahrhundert immer weiter an.
Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick
über einige der zentralen naturwissenschaftlichen
Entwicklungen dieses Zeitraums und diskutiert dabei auch die Rolle der
Wissenschaftsentwicklung in Staatenbildung und Industrialisierung.
Einführende
Literatur:
* Michel Serres (Hg.), Elemente einer Geschichte
der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1994
* Hans Wussing (Hg.), Geschichte der Naturwissenschaften, Leipzig 1983
* Mary Jo Nye (Hg.), The Modern Physical and Mathematical Sciences,
Cambridge 2003 (= The Cambridge History of Science, Bd. 5)
Prof. Dr. Moritz Epple
Seminar
Do 14:00-16:00, IG 4.401, ab 21.10.2010
Inhalt:Das
Seminar führt in die historische Analyse der
wissenschaftlichen Erkenntnispraxis ein, die in den jetzten Jahren
unter dem Titel der ‚Historischen Epistemologie’
zusammengefasst wird. Die historische Epistemologie geht davon aus,
dass die Kategorien und Formen wissenschaftlichen Erkennens historisch
variieren, und sie entwickelt methodische Instrumente zur Analyse
dieser Variationen. Dabei werden auch zentrale Positionen einer
theoretisch orientierten Wissenschaftsgeschichte aus dem 20.
Jahrhundert vorgestellt, u.a. anhand von Texten von Gaston Bachelard,
Ludiwk Fleck, Georges Canguilhem, Michel Foucault, Loraine Daston,
Peter Galison und Hans-Jörg Rheinberger.
Da das Seminar vor allem methodisch ausgerichtet ist, eignet es sich
ebenso als Einstieg in eine vertiefte Beschäftigung mit der
Wissenschaftsgeschichte wie für Studierende aus anderen
Fächern, die wissenschaftshistorische Methoden kennen lernen
wollen.
Einführende
Literatur:
* Gaston Bachelard, Der neue wissenschaftliche Geist, Frankfurt 1988
(frz. Original Paris 1934)
* Ludwik Fleck, Die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen
Tatsache, Frankfurt 1980 u.ö. (Original Basel 1935)
* Georges Canguilhem, Wissenschaftsgeschichte und Epistemologie.
Gesammelte Aufsätze, Frankfurt 1980
* Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der
Humanwissenschaften, Frankfurt 1974 (frz.: Les mots et les choses,
Paris 1966)
* Lorraine Daston/Peter Galison, Objektivität, Frankfurt 2007
* Hans-Jörg Rheinberger, Experimentalsysteme und epistemische
Dinge. Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas, Frankfurt
2006
* Hans-Jörg Rheinberger, Historische Epistemologie zur
Einführung, Hamburg 2007
Weitere Literatur wird im Seminar genannt.
Prof. Dr. Moritz Epple
Blockseminar
Montag 8.11.2010 (ganztägig), Dienstag 9.11.2010 (ganztägig), Mittwoch 10.11.2010 (Vormittag)
Obligatorische Vorbesprechung am Dienstag 19.10.2010 um 14 Uhr, IG 4.401
Inhalt: Jonathan Israel hat in den letzten Jahren mehrere bedeutende Bücher vorgelegt, die eine historische Neubewertung des Denkens der Aufklärung zum Ziel haben. Zentrale These dabei ist, dass eine „radikale“ Strömung der Aufklärung einem „moderaten“ Hauptstrom gegenüber stand, und dass vor allem die radikale Strömung in der Genese der Moderne eine Rolle spielte. Zugleich betont Israel – auch gegen kultur- und sozialhistorische Ansätze – die zentrale Bedeutung philosophischer Ideen für die historische Entwicklung. In diesem Kompaktseminar sollen die beiden jüngsten Bücher Israels gelesen und kritisch diskutiert werden. Der Autor wird während der Kompaktveranstaltung in Frankfurt zwei Vorlesungen halten, deren Besuch zum Seminar gehört, und für eine Diskussion über seine Thesen zur Verfügung stehen.
Literatur:
* Jonathan Israel, Enlightenment Contested. Philosophy, Modernity, and the Emancipation of Man 1670-1752, Oxford UP 2006
* Jonathan Israel, A Revolution of the Mind. Radical Enlightenment and
the Intellectual Origins of Modern Democracy, Princeton UP 2009
Prof. Dr. Moritz Epple
Übung
Do 10:00-12:00, IG 4.401, ab 21.10.2010
Inhalt:Jean d’Alembert (1717-1783) gehörte zu den führenden Wissenschaftlern des 18. Jahrhunderts. Mit Diderot zusammen war er Hauptherausgeber der französischen Encyclopédie und entschiedener Verfechter der Aufklärung, als brillanter Mathematiker spielte er in der französischen Académie des sciences eine wichtige Rolle. Zugleich war er einer der meistgelesenen „philosophischen“ Autoren der Zeit. Seine zuerst 1753 erschienenen und dann mehrfach nachgedruckten „Mélanges de littérature, d'histoire, et de philosophie“, die im Zentrum dieser Übung stehen, führen die schriftstellerische Spannweite eines Aufklärungswissenschaftlers, die sich einer einfachen Einordnung in die segmentierte Kultur moderner wissenschaftlicher Disziplinen entzieht, drastisch vor Augen. Durch gemeinsame Lektüre wichtiger Essays aus d’Alemberts Mélanges in der französischen Originalfassung soll ein Verständnis für den intellektuellen Horizont dieser Zeit ermöglicht werden, der von der Systematik der Naturwissenschaften über die Kunst des Übersetzens bis zur Frage der Autonomie der Intellektuellen gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Eliten reichte.
Literatur:
* Jean d’Alembert, Mélanges de
littérature, d'histoire, et de philosophie, 2. Aufl., Paris
1759-1767 (Digitalisat wird bereitgestellt)
* Thomas L. Hankins, Science and the Enlightenment, Cambridge UP 1995
Prof. Dr. Annette Warner (Imhausen)
Übung
Do 16:00-18:00, AfE-Turm 1102, ab 21.10.2010
Inhalt:
In dieser Übung sollen mittelägyptische Quellen ggf.
in hieroglyphischer Umschrift gelesen werden.
Erfolgreiche Teilnahme an
den „Übungen zur Einführung in die
mittelägyptische Sprache und Schrift (Hieroglyphen)" oder
äquivalente Vorkenntnisse nach Absprache.
Prof. Dr. Moritz Epple. Prof. Annette Warner
Kolloquium
Di 18:00 - 20:00, Raum IG 1.414, ab 26.10.2010
Inhalt: Es werden zum Einen laufende Examens- und Doktorarbeiten vorgestellt, zum Anderen neuere wissenschaftshistorische Publikationen gemeinsam diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch aus angrenzenden Gebieten) sind nach Rücksprache mit dem Veranstalter herzlich willkommen.
Zu den Vortragsveranstaltungen mit auswärtigen Gästen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Das laufende Programm des Kolloquiums finden Sie im Internet unter www.uni-frankfurt.de/fb08/HS/wg/ über den entsprechenden Link unter "Aktuelles".
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