Lehrveranstaltungen der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte
Wintersemester 2024/2025


Einführung in die Wissenschaftsgeschichte: Die Naturwissenschaften zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert - Vorlesung

Islamisch geprägte (islamicate) Zentren der Wissenschaften zwischen 800 und 1500 - Seminar

Medizinische Texte aus Mesopotamien - Übung

Studiengruppe Historische Epistemologie: "Kosmos, Naturgeschichte, Mechanik: Ein materialistischer Blick auf die Naturwissenschaft des langen 17. Jahrhunderts"

Aktuelle Ansätze in der Wissenschaftsgeschichte - Lektorium

Wissenschaftshistorisches Kolloquium



Einführung in die Wissenschaftsgeschichte: Die Naturwissenschaften zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert

Prof. Dr. Annette Warner

Vorlesung

Do 16:00-18:00, NG 1.741a, ab 24.10.2024

Inhalt: Im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts beginnt durch die Rezeption außereuropäischer Wissensinhalte die Entwicklung einer „neuen Wissenschaft”, die sich in der Frühen Neuzeit so rasant gestaltete, dass der Begriff der naturwissenschaftlichen Revolution für ihre Beschreibung geprägt wurde. Ergebnisse dieser Entwicklungen waren nicht nur der Wandel von einem geozentrischen zu einem heliozentrischen Weltbild, sondern eine grundlegende Neugestaltung aller Wissensgebiete der Natur und des Menschen. Diese führte im 18. Jahrhundert zu einer breiten Blüte der Naturwissenschaften in der Kultur der europäischen Aufklärung. Dabei konkurrierten in vielfältiger Weise mathematisch-mechanistische Erklärungen der Welt mit einer eher beschreibenden Naturgeschichte mit globalem Wissensanspruch. Die Vorlesung gibt einen einführenden Überblick über einige der zentralen Entwicklungen dieses Zeitraums.

Einführende Literatur:
* Lorraine Daston und Katherine Park (Hg.): The Cambridge History of Science. Bd. 3: Early Modern Science, Cambridge: Cambridge University Press 2006.
* Peter Dear: Revolutionizing the Sciences: European Knowledge and Its Ambitions, 1500-1700, Princeton 2001.
* Roy Porter (Hg.): The Cambridge History of Science. Bd. 4: Eighteenth Century Science, Cambridge: Cambridge University Press 2003.

Organisatorisches: Zur Vorlesung gibt es ab Oktober einen OLAT-Kurs, in den sich die TeilnehmerInnen selbständig eintragen. Über den dortigen Materialordner erhalten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung die Handouts und begleitende Literatur.
In der zweiten Semesterwoche (Vorlesungsbeginn) wird anstelle der Vorlesung Material im zugehörigen OLAT-Kurs eingestellt. Die Vorlesung findet ab dem 31.10.2024 in Präsenz statt.


Islamisch geprägte (islamicate) Zentren der Wissenschaften zwischen 800 und 1500

Prof. Dr. Annette Warner

Seminar

Mo 10:00-12:00, SH 2.103, ab 14.10.2024

Inhalt: Die wissenschaftliche Kultur der Antike fand zunächst eine Fortsetzung in der islamisch geprägten Welt, wo ab dem 9. Jahrhundert eine bemerkenswerte Blüte der klassischen Wissenschaften zu verzeichnen ist. Dabei wurden von den oft arabischsprachigen Gelehrten die Texte aus der klassischen Antike zunächst übersetzt und im Anschluss sowohl inhaltlich als auch konzeptionell weiterentwickelt. In der Folge politischer Entwicklungen bildeten sich zu unterschiedlichen Zeiten des behandelten Zeitraums individuelle wissenschaftliche Zentren an verschiedenen Orten (Baghdad, Kairo, Ghazni, Isfahan, Nishapur, Samarkand) heraus. Im Seminar werden diese Zentren und herausragende Werke, die dort entstanden sind, vorgestellt und diskutiert.

Einführende Literatur:
Sonja Brentjes und Robert G. Morrison: „The Sciences in Islamic Societies“. In: Robert Irwin (Hrsg.): The New Cambridge History of Islam. Bd. 4. Cambridge: Cambridge University Press 2010: 564-639.

Teilnahmevoraussetzungen:Grundkenntnisse der Wissenschaftsgeschichte, nachzuweisen z.B. durch den Besuch einer der Einführungsvorlesungen in die Wissenschaftsgeschichte oder Teilnahme an einer sonstigen einführenden Lehrveranstaltung der Wissenschaftsgeschichte.

Organisatorisches: Zum Seminar gibt es ab Oktober einen OLAT-Kurs, in den sich die TeilnehmerInnen selbständig eintragen. Über den OLAT-Kurs erhalten die TeilnehmerInnen auch die zu lesenden Texte und weiteres Material für die Veranstaltung. Ebenso erfolgt über den OLAT-Kurs die Abgabe der für den Leistungsnachweis in diesem Seminar zu erbringenden schriftlichen Aufgaben und der Hausarbeit. Das Seminar findet ab dem 14.10.2024 statt.


Medizinische Texte aus Mesopotamien

Dr. Daliah Bawanypeck

Übung

Di 16:00 - 18:00, SH 1.103, ab 22.10.2024

Inhalt: Medizinische Keilschrifttexte aus Mesopotamien sind ab dem 3. Jt. v. Chr. über einen Zeitraum von etwa 2500 Jahren überliefert. Sie umfassen ein weites inhaltliches Spektrum, das neben prognostisch-diagnostischen Zusammenstellungen auch therapeutische Texte (z.B. Rezepturen) sowie Beschwörungen umfasst. Medizinische Bezüge sind auch in lexikalischen Listen, Rechtstexten, Briefen und literarischen Werken anzutreffen.
Nach mesopotamischer Sicht wurden Krankheiten durch eine Störung im Verhältnis des erkrankten Menschen zu den Göttern verursacht. Hauptziel der Diagnostik war nicht die Identifizierung der Krankheit, sondern die Bestimmung ihres numinosen Verursachers. Erst dann konnte die Behandlung, die aus der rituellen Versöhnung der Gottheit und der medizinisch-therapeutischen Behandlung des Patienten bestand, beginnen.
Ziel der Übung ist es anhand der unterschiedlichen Textgenres einen Einblick in die mesopotamischen Vorstellungen von Krankheit und die heilkundlichen Konzepte ihrer Experten zu gewinnen.

Einführende Literatur:
* Stefan M. Maul, „Die Heilkunst des Alten Orients“, in: Axel Karenberg & Christian Leitz (Hg.), Heilkunde und Hochkultur II. Münster 2002, S. 3-19.
* Barbara Böck, „Krankheit und Heilung (Alter Orient)“ erstellt im Feb. 2011, in: WiBiLex (das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet) https://bibelwissenschaft.de/stichwort/24060/

Organisatorisches: Zur Übung gibt es einen OLAT-Kurs, in den sich die Teilnehmer*innen ab September selbständig eintragen. Über den dortigen Materialordner erhalten die Teilnehmer*innen der Veranstaltung die Unterlagen für den Kurs.


Studiengruppe Historische Epistemologie: "Kosmos, Naturgeschichte, Mechanik: Ein materialistischer Blick auf die Naturwissenschaft des langen 17. Jahrhunderts"

Prof. Dr. Moritz Epple

Übung 

Di 14:00-16:00, IG 4.401, ab 22.10.2024

Inhalt:  Die Studiengruppe wird im Wintersemester 2024/2025 und im Sommersemester 2025 die Möglichkeiten diskutieren, eine Wissenschaftsgeschichte in historisch-materialistischer Perspektive zu entwickeln. Im Wintersemester wird es zunächst um den von vielen damaligen Akteuren als Aufblühen einer „neuen Wissenschaft“ verstandenen Wandel der europäischen Wissenskultur im 16. und 17. Jahrhundert gehen. Dazu werden wir zunächst einige Überblickstexte zum Wandel der Vorstellungen vom Kosmos, zur neuen Praxis der Naturgeschichte und zum Entstehen eines mechanischen Weltverständnisses lesen. In allen Bereichen findet sich sowohl eine komplexe Dynamik der Übernahme und Überbietung von älterem und außereuropäischem Wissen als auch neue Praxisformen (neue Gruppen von Trägern praktischen Wissens, handwerklich hergestellte wissenschaftliche Instrumente, neue Formen des Beobachtens, Sammelns und Experimentierens, neue Organisationsformen wissenschaftlicher Arbeit). Im zweiten Schritt werden wir in Auseinandersetzung mit einigen methodischen Fragmenten von Karl Marx (in den aktuellen textkritischen Editionen der neuen MEGA) diskutieren, wie eine historisch-materialistische Perspektive auf die Wissenschaftsgeschichte heute methodisch umrissen werden kann. Die dritte Arbeitsphase wird dann die Lektüre und Diskussion von – noch gemeinsam auszuwählenden – wissenschaftlichen Primärtexten aus dem 17. Jahrhundert sein. Vor diesem Hintergrund werfen wir schließlich einen Blick auf die seit etwa 100 Jahren geführte Diskussion über die gesellschaftlichen Ursprünge und Funktionen der Wissenschaft des langen 17. Jahrhunderts, die heute in einem globalen Horizont geführt werden muss.

Leseliste (Möglichkeiten – die nähere Auswahl erfolgt in der Vorbesprechung):
* Phase 1
John D. North: Viewegs Geschichte der Astronomie und Kosmologie. Braunschweig: Vieweg, 1997. Kapitel 11: „Die Planetentheorie des Kopernikus“, S. 187-199.
George Saliba: „Islamic Reception of Greek Astronomy.“ In: D. Valls-Gabaud & A. Boksenberg (Hg.), The Role of Astronomy in Society and Culture. Proceedings IAU Symposium No. 260, 2009, S. 149-165. (Diskutiert auch die Aufnahme arabischer Astronomie bei Kopernikus.)
Katharine Park & Lorraine Daston (Hg.): Early Modern Science. (= The Cambridge History of Science, Vol. 3). Cambridge: Cambridge University Press, 2008. Darin u.a. die Kapitel:
Daniel Garber: „Physics and Foundations.“ In: Park & Daston 2008, S. 21-69.
Paula Findlen: „Natural History.“ In: Park & Daston 2008, S. 435-468.
Domenico Bertoloni Meli: „Mechanics.“ In: Park & Daston 2008, S. 632-672.
Jim Bennett: „The Mechanical Arts.“ In: Park & Daston 2008, S. 673-695.

* Phase 2
Karl Marx & Friedrich Engels: Deutsche Ideologie. Manuskripte und Drucke. (= MEGA2, Band I/5) Berlin, Boston: De Gruyter Akademie Forschung 2017. (Hieraus die Entwürfe zu Kapitel „I. Feuerbach.“)
Karl Marx: Einleitung zu den „Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie“. In: MEGA2, Band II/1, Berlin: Dietz, 1976, S. 17-45.

* Phase 3 (Auswahl nach den Interessen der Teilnehmenden, z.B.)
William Gilbert: De Magnete, 1600
Galileo Galilei: Der Sternenbote, 1610
René Descartes: Die Welt, posthum 1664 Bernard Bouvier de Fontenelle: Unterredungen über die Vielheit der Welten, 1686
Maria Sybilla Merian: Das Insektenbuch (= Metamorphosis insectorum Surinamensium), 1705

* Phase 4
Edgar Zilsel: Die sozialen Ursprünge der neuzeitlichen Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1976.
Gideon Freudenthal & Peter McLaughlin (Hg.): The Social and Economic Roots of the Scientific Revolution: Texts by Boris Hessen and Henryk Grossmann. Heidelberg: Springer, 2009.
James Poskett: Horizons: The Global Origins of Modern Science. Boston/New York: Mariner Books, 2022.

Organisatorisches: Die Veranstaltung der Studiengruppe kann als Übung oder als Seminar in verschiedenen Studiengängen besucht werden. Die Abfassung von Examensarbeiten ist leider nicht möglich. Es ist geplant, die Studiengruppe im Sommersemester 2025 mit einem inhaltlichen Blick auf die Verzeitlichung des Naturverständnisses im 19. Jahrhundert (Erdgeschichte, Evolution, Klima) in gleicher methodischer Perspektive fortzusetzen.


Aktuelle Ansätze in der Wissenschaftsgeschichte

Prof. Dr. Annette Warner

Lektorium

Mi 16:00-18:00, SH 4.103, ab 14.10.2024

Inhalt:  In diesem Seminar soll zunächst anhand des Buches von Lukas Verburgt Debating Contemporary Approaches to the History of Science ein Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftsgeschichte (u.a. Versuche einer globalen Wissenschaftsgeschichte, postkoloniale Wissenschaftsgeschichte, Historische Epistemologie) gegeben werden. Einzelne Zugänge werden dann individuell durch weitere Literatur genauer analysiert.

Einführende Literatur:
Lukas Verburgt: Debating Contemporary Approaches to the History of Science. London: Bloomsbury 2024.

Teilnahmevoraussetzungen: Grundkenntnisse der Wissenschaftsgeschichte, nachzuweisen z.B. durch den Besuch einer der Einführungsvorlesungen in die Wissenschaftsgeschichte oder Teilnahme an einer sonstigen Lehrveranstaltung der Wissenschaftsgeschichte.

Organisatorisches: Zur Übung gibt es ab Oktober einen OLAT-Kurs, in den sich die TeilnehmerInnen bis zum 27.10.24 selbständig eintragen. Über den OLAT-Kurs erhalten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung auch die zu lesenden Texte und weitere Informationen zum Lektorium. Die Vorbesprechung findet am 28.10.2024 statt, danach wird es individuelle Treffen geben, die an spezifischen Terminen Montags.


Wissenschaftshistorisches Kolloquium

Prof. Dr. Annette Warner

Kolloquium

Di 18:00 - 20:00, IG 254 oder IG 1.414, ab 28.10.2024

Inhalt: Es werden zum Einen laufende Examens- und Doktorarbeiten vorgestellt, zum Anderen neuere wissenschaftshistorische Publikationen gemeinsam diskutiert. Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch aus angrenzenden Gebieten) sind nach Rücksprache mit dem Veranstalter herzlich willkommen.
Zu den Vortragsveranstaltungen mit auswärtigen Gästen sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Das laufende Programm des Kolloquiums finden Sie im Internet unter https://wg.geschichte.uni-frankfurt.de/  über den entsprechenden Link.

Programm

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zuletzt geändert am 16.9.2024, jd