Einführung in die
Wissenschaftsgeschichte: Wissenschaften in antiken Kulturen -
Vorlesung
Die Rolle islamischer
Wissenszentren in transkulturellen und multi-religiösen
Gesellschaften -
Seminar
Exkursionsseminar:
Materialität des Wissens in antiken Kulturen - Seminar
Studiengruppe Historische
Epistemologie - Naturwissenschaften von links I: Gegenseitige Hilfe in
der Tier- und Menschenwelt - Seminar / Übung
Lektüreübung:
Quellentexte antiker Wissenschaften - Übung
Saints, Sinners,
Seductresses: Female Archetypes in Europe’s Long 19th Century
- Übung
Global Ayurveda: Ancient
medical knowledge as a lifestyle brand - Übung
Wissenschaftshistorisches
Kolloquium
Prof. Dr. Annette Warner
Vorlesung
Do 16:00-18:00, NG 1.741a, ab 16.10.2025
Inhalt:
In allen größeren antiken Kulturen entwickelten sich
- z.T. lange vor unserer Zeitrechnung - komplexe Wissens- und
Expertensysteme, in denen heilkundliches Wissen gesammelt, die
Vorgänge der irdischen und himmlischen Natur gedeutet und
rechnerisch-administrative Verfahren entwickelt wurden.
Früheste schriftliche Quellen dieser Entwicklungen liegen aus
den Kulturen Ägyptens und Mesopotamiens vor, in denen
(unabhängig voneinander) um ca. 3000 v. Chr. das Instrument
der Schrift erfunden wurde. Auch aus China liegen bereits aus dem
ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung entsprechende Quellen vor.
Die klassische griechische Periode zeichnet sich dadurch aus, dass in
ihr gleichzeitig mit dem Aufblühen neuer Wissenschaftszweige
in Mathematik, Kosmologie, Zoologie usw. ein Methoden-ideal der
Wissenschaften explizit formuliert wurde. Die Großreiche des
Hellenismus und der Spätantike wiederum erlebten eine
höchst folgenreiche Verflechtung der verschiedenen antiken
Wissenstraditionen, deren Einzelheiten z.T. immer noch Gegenstand der
Forschung sind.
Die Vorlesung, die sich an Studierende aller Fächer,
insbesondere aber der Geschichte und der Philosophie wendet, gibt
sowohl eine Einführung in die wichtigsten Aspekte dieser
Entwicklung als auch in die Methoden einer modernen Historiographie der
antiken Wissenschaften. Dabei liegen Schwerpunkte u.a. auf der
Anerkennung und Rekonstruktion antiker wissenschaftlicher Konzepte (die
sich von ‚entsprechenden' modernen Konzepten signifikant
unterscheiden können) und auf den vorliegenden Arten von
Quellen und ihrer Interpretation.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Vorlesung bildet den ersten
Teil eines auf vier Semester geplanten Kurses in
Wissenschaftsgeschichte, kann aber auch unabhängig besucht
werden.
Einführende
Literatur:
* Alexander Jones und Liba Taub (Hrsg.): The Cambridge History of
Science I: Ancient Science. Cambridge: Cambridge University Press 2018.
* Paul T. Keyser und John Scarborough (Hrsg.): The Oxford handbook of
Science and Medicine in the Classical World. Oxford: Oxford University
Press 2018.
Organisatorisches: Zur Vorlesung gibt es ab Oktober einen OLAT-Kurs, in den sich die TeilnehmerInnen selbständig eintragen. Über den dortigen Materialordner erhalten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung die Handouts und begleitende Literatur.
Prof. Dr. Annette Warner, Nadine Löhr M.A.
Seminar
Fr 10:00-12:00, IG 0.457, ab 17.10.2025
Inhalt: Ab dem 9. Jahrhundert erlebte die islamisch geprägte Welt einen bemerkenswerten Aufschwung klassischer Wissenschaften. Traditionen der Antike wurden nicht nur fortgeführt, sondern auch maßgeblich weiterentwickelt. Zentren wie Bagdad, Kairo, Ghazni, Isfahan, Nishapur und Samarkand wurden zu Dreh- und Angelpunkten des Wissensaustauschs und prägten den transkulturellen Dialog in oft multi-religiösen Gesellschaften. Dieses Seminar bietet eine interdisziplinäre Plattform, um die Bedeutung dieser Zentren zu diskutieren, Wissenswertes über Beiträge zur Literatur- und Wissensgeschichte zu erfahren und die historische Rolle einzelner Gelehrter vor dem Hintergrund kultureller und politischer Entwicklungen zu betrachten. Neben der Analyse dieser historischen Dynamiken reflektieren wir die Rezeption des "Goldenen Zeitalters des Islam" in der modernen Geschichtsschreibung und hinterfragen diese kritisch.
Einführende
Literatur:
Sonja Brentjes und Robert G. Morrison: „The Sciences in
Islamic Societies“. In: Robert Irwin (Hrsg.): The New
Cambridge History of Islam. Bd. 4. Cambridge: Cambridge University
Press 2010: 564-639.
Teilnahmevoraussetzungen:
* Regelmäßige aktive Teilnahme und Vorbereitung
werden
erwartet.
* Englisch-Lesekenntnisse sind erforderlich. Kenntnisse in einer der
folgenden Sprachen (Latein, Spanisch, Arabisch, Hebräisch)
sind willkommen, aber keine Voraussetzung.
* Dieser Kurs ist eine Kooperation der Fachbereiche 06 und 08. Um
rechtzeitige Anmeldung wird gebeten (mind. 1 Woche vor Kursbeginn
über OLAT, Details folgen)
Prof. Dr. Annette Warner, Dr. Daliah Bawanypeck
Seminar
Mi 10:00 - 12:00, IG 4.401, ab 22.10.2025
Inhalt:
Das Seminar beschäftigt sich mit Texten,
archäologischen Objekten und Abbildungen, die in Mesopotamien
und im pharaonischen Ägypten der Darstellung von Wissen
dienten. Dabei sollen entsprechende Quellen aus Ägypten und
Mesopotamien miteinander verglichen werden, um durch deren
Gemeinsamkeiten und Unterschiede die Charakteristika der Konzepte und
Kontexte von Wissen der beiden Kulturen herauszuarbeiten. Nach einer
Einführung in die Schriftentstehung und die Kontexte von
Wissen in beiden Kulturen (zu verorten im Umfeld von Tempeln oder
Palästen) und in Beispiele der dort nachzuweisenden
Konzeptionen von Wissen, wie z.B. Heilkunde, Himmelskunde und
Rechenkunde, stehen konkrete Objekte im Fokus des Seminars. Anhand
dieser ausgewählten Beispiele sollen einzelne Einblicke in die
Darstellung und Repräsentation von Wissen und Wissenden
gewonnen werden. Ein weiterer Aspekt, der in der Veranstaltung
behandelt wird, ist die Reflexion über die uns heute zur
Verfügung stehende Objektlage und ihre Genese.
Integraler Bestandteil
des Seminars ist eine mehrtägige Exkursion nach Paris,
die für die erste Woche der vorlesungsfreien Zeit vorgesehen
ist (Abreise 16.02.26). Eine Teilnahme am Seminar ohne Teilnahme an der
Exkursion ist nicht möglich.
Einführende
Literatur:
* Niv Allon und Hana Navratilova: Scribal Culture in Ancient Egypt.
Cambridge: Cambridge University Press 2023.
* Chloe Ragazzoli: Scribes: les artisans du texte en Égypte
ancienne. Paris: Belles Lettres 2019.
* Karen Radner und Eleanor Robson (Hrsg.): The Oxford Handbook of
Cuneiform Culture. Oxford: Oxford University Press 2011 (Kap. 1, S.
5-31, Kap. 2, S. 32-50, Kap. 4, S. 68-89).
Voraussetzungen: Grundkenntnisse der Wissenschaftsgeschichte, nachzuweisen z.B. durch den Besuch einer der Einführungsvorlesungen in die Wissenschaftsgeschichte oder Teilnahme an einer sonstigen einführenden Lehrveranstaltung der Wissenschaftsgeschichte.
Prof. Dr. Moritz Epple
Seminar / Übung
Di 14:00-16:00, IG 4.401, ab 14.10.2025
Inhalt:
Die großen Umbrüche in den modernen
Naturwissenschaften, die sich im späten 19. und
frühen 20. Jahrhundert von der Biologie bis zur Physik
vollzogen, wurden auch in verschiedenen Teilen der politischen Linken
wahrgenommen und teils enthusiastisch begrüßt
– in radikalen modernistischen Bewegungen, in den
Bemühungen um die Arbeiterbildung, in den
revolutionären Ereignissen des frühen 20.
Jahrhunderts. Manche der an den Umbrüchen beteiligten
Wissenschaftler*innen standen selbst der politischen Linken nahe und
beteiligten sich an den Bemühungen, die modernen
Naturwissenschaften mit gesellschaftlicher Veränderung zu
verknüpfen. Dies historisch genauer zu verstehen wird das Ziel
der Lehrveranstaltungen der Studiengruppe im Wintersemester 2025/2026
und im Sommersemester 2026 sein.
Gegenstand der ersten Lehrveranstaltung im Wintersemester ist
insbesondere die 1902 in Buchform erschienene Publikation Mutual Aid: A
Factor of Evolution von Peter Kropotkin, in welcher dieser gegen die
damaligen sozialdarwinistischen Lesarten der Evolutionslehre eine
alternative Interpretation von Darwins Theorie stellte, welche auf die
große evolutionäre Bedeutung von Kooperation im
Verhalten von Spezies hinwies. Kropotkins – heute in der
Evolutionsbiologie ernst genommenen – Argumente standen dabei
auch im Kontext der avantgardistischen und sehr
wissenschaftsfreundlichen intellektuellen Bewegung des sog. russischen
Nihilismus. Das Werk wurde besonders in modernistischen Kreisen rasch
rezipiert, bevor die Verwerfungen der beiden Weltkriege diese
Strömung – man könnte sie
„linksdarwinistisch“ nennen – wieder
marginalisierten. U.a. wurde es durch den unabhängigen
Sozialisten Gustav Landauer ins Deutsche übersetzt und der
Mediziner Georg Friedrich Nicolai nutzte es in den
evolutionsbiologischen Argumenten seiner radikal pazifistischen Kritik
des Ersten Weltkriegs.
Die Studiengruppe wird sich auf der Basis der Lektüre von
Kropotkins Werk sowohl mit dessen intellektuellem Zeitkontext wie auch
mit den damaligen Auseinandersetzungen um Darwins Evolutionslehre
beschäftigen.
Einführende
Literatur:
* Peter Kropotkin: Mutual Aid: A Factor of Evolution.
London: Heinemann, 1902. (Digitalisiert u.a. auf archive.org.)
* Peter Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt.
Übersetzt von Gustav Landauer. Leipzig:Thomas, 1908.
(Digitalisiert u.a. auf archive.org.)
* Stephen Jay Gould: „Kropotkin was no Crackpot“.
Natural History 97/7 (1988), 12-21. (Digitalisiert u.a. auf
https://www.marxists.org/subject/science/essays/kropotkin.htm.)
* Diane Paul: „Darwin, Social Darwinism and
Eugenics.“ In: Jonathan Hodge & Gregory Radick (Hg.):
The Cambridge Companion to Darwin. 2. Auflage, Cambridge: Cambridge
University Press, 2009, S. 219-245.
* Ruth Kinna: Kropotkin. Edinburgh: Edinburgh University Press, 2016.
Organisatorisches: Die Veranstaltung kann als Übung oder als Seminar in verschiedenen Studiengängen besucht werden. Eine Abfassung von Examensarbeiten ist leider nicht möglich. Eine besondere Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht erforderlich. Kommen Sie zur Vorbesprechung in der ersten Sitzung am 14. Oktober 2025 um 14 Uhr ct. Anfang Oktober wird ein OLAT-Kurs zur Veranstaltung eingerichtet, in den Sie sich eintragen können.
Prof. Dr. Annette Warner
Übung
Fr 14:00-16:00, IG 4.401, ab 17.10.2025
Inhalt:
Begleitend zur Vorlesung Einführung in die
Wissenschaftsgeschichte: Wissenschaften in antiken Kulturen werden in
der Lektüreübung nach einführender
Sekundärliteratur Quellentexte aus dem Bereich der antiken
Wissenschaften in (in der Regel deutscher oder englischer)
Übersetzung gelesen und besprochen. Innerhalb der
Übung liegt dabei ein Fokus auf dem Vergleich von Quellen aus
verschiedenen wissenschaftlichen Kulturen, um so die jeweiligen
spezifischen Besonderheiten herauszuarbeiten. Nach einem kurzen
Einstieg in die Problematik der Arbeit mit antiken wissenschaftlichen
Texten stehen auch die ägyptischen und mesopotamischen
Gelehrten und deren Lebensumstände im Fokus. Ein weiteres
Thema wird der Vergleich zwischen griechischen und chinesischen
wissenschaftlichen Texten in verschiedenen Disziplinen sein.
Abschließend werden griechische und römische Texte
über die Tierwelt gelesen.
In dieser Übung werden außerdem grundlegende
Fähigkeiten des wissenschaftlichen Schreibens durch das
Verfassen und Überarbeiten von drei Kurztexten zu vorgegebenen
Fragestellungen trainiert.
.
Einführende
Literatur:
* Alexander Jones und Liba Taub (Hrsg.): The Cambridge History of
Science I: Ancient Science. Cambridge: Cambridge University Press 2018.
* Paul T. Keyser und John Scarborough (Hrsg.): The Oxford handbook of
Science and Medicine in the Classical World. Oxford: Oxford University
Press 2018.
Organisatorisches:
Zur Lektüreübung gibt es ab Oktober einen OLAT-Kurs,
in den sich die TeilnehmerInnen bis zum 10.10.25 selbständig
eintragen. Aufgrund des Arbeitsaufwands der zeitnahen Korrektur der
Kurztexte ist die Teilnehmerzahl begrenzt – tragen Sie sich
bitte nur dann in den OLAT-Kurs ein, wenn Sie sicher sind, die
Übung belegen zu wollen. Studierenden des
Nebenfachstudienganges GPhW ist ein Platz in der Übung
garantiert (sollten Sie sich nicht eintragen können, schreiben
Sie bitte eine Email an warner@em.uni-frankfurt.de).
Über den OLAT-Kurs erhalten die TeilnehmerInnen der
Veranstaltung die zu lesenden Texte und weitere Informationen zur
Veranstaltung. Ebenso erfolgt über den OLAT-Kurs die Abgabe
der für den Leistungsnachweis in diesem Seminar zu
erbringenden schriftlichen Aufgaben und (bei Modulprüfung) der
Hausarbeit.
Dr. Luisa Kapp
Übung
Mi 14:00-16:00, IG 3.401, ab 15.10.2025
Inhalt: The
Long 19th Century was a time of immense social, political, and cultural
transformation across Europe. It also witnessed the rise and
solidification of enduring cultural models of femininity, such as the
“Angel in the House”, the “Fallen
Woman”, the “Femme Fatale”, the
“Hysteric”, the “New Woman”
among others. These archetypes were not simply symbolic constructs
— they shaped and were shaped by real women’s
lives, mediating expectations around morality, sexuality, labour, and
national identity.
This course explores the construction, circulation, and persistence of
female archetypes in European culture between 1789 and 1914. After an
initial theoretical and historiographical introduction, we will analyze
how these archetypes appeared in literature, visual culture, scientific
discourse, and political rhetoric. Particular attention will be given
to the interplay between representation and power, as well as the
cultural, classed, and national contexts in which ideas of womanhood
were produced and contested. The course also invites critical
reflection on how these images persist in collective memory and gender
norms to this day.
Einführende
Literatur:
* Bonnie Smith, The Gender of History: Men, Women, and Historical
Practice (Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1998),
Introduction.
* Catherine Hall, White, Male and Middle Class: Explorations in
Feminism and History (Cambridge: Polity Press, 1992), Introduction.
Organisatorisches: Die Übung findet in englischer Sprache statt, die Diskussion ist aber auch in deutscher Sprache möglich.
Dr. Baijayanti Roy
Übung
Di 16:00-18:00, IG 4.501, ab 14.10.2025
Inhalt: The Sanskrit term Ayurveda means knowledge (veda) of longevity (“ayus”).” This Indian medical system has existed in a codified form for 2,000 years and longer in its uncodified versions. The corpus of Ayurvedic knowledge has continued to evolve through the ages in response to historical circumstances. In recent years, Ayurveda in different forms and transmutations has spread far beyond its Indian roots. At present, it is a multibillion dollar industry, being branded as health and lifestyle alternatives in ways that have nothing in common with its essence or its intended purposes. This course offers some academic perspectives on the system of Ayurveda in ancient India as well as the evolution of the modern and global Ayurveda in India and the western world, including Germany.
Einführende
Literatur:
* Kenneth G.Zysk: Asceticism and Healing in Ancient India. Medicine in
the Buddhist Monastery. Delhi, 2000.
* Dagmar Wujastyk and Frederick M. Smith (Eds): Modern and Global
Ayurveda. Pluralism and Paradigms. N.Y., 2008.
Organisatorisches: The course will be conducted in English but students are welcome to interact in German.
Prof. Dr. Annette Warner
Kolloquium
Di 18:00 - 20:00, IG 1.414, ab 21.10.2025
Inhalt:
Es werden zum
Einen laufende Examens- und Doktorarbeiten vorgestellt, zum Anderen
neuere wissenschaftshistorische Publikationen gemeinsam diskutiert.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer (auch aus angrenzenden Gebieten) sind
nach Rücksprache mit dem Veranstalter herzlich willkommen.
Zu den Vortragsveranstaltungen mit auswärtigen Gästen
sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Das laufende Programm des
Kolloquiums finden Sie im Internet unter https://wg.geschichte.uni-frankfurt.de/ über den
entsprechenden Link.
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Startseite der Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte